ARCHIV NACHRICHTEN
Bremen. Hörspiel "Der Mann, der nicht rechnen wollte" (nach dem Roman Die Frau, für die ich den Computer erfand), eine Produktion des RBB und Radio Bremen. Mit Jürgen Holtz, Musik: Daniel Dickmers, Regie: Ulrich Gerhardt. Nordwest-Radio 9.4. 2010, 22.05 - 23.30 Uhr.
Bergen-Enkheim. Mit einer Rede über die Schlacht bei Bergen von 1759 hat sich Friedrich Christian Delius als Stadtschreiber von Bergen verabschiedet. Sein Nachfolger wurde Ulrich Peltzer. Die Festrede hielt in diesem Jahr Heribert Prantl.
Berlin. Hörspiel "Der Mann, der nicht rechnen wollte" (nach dem Roman Die Frau, für die ich den Computer erfand), eine Produktion des RBB und Radio Bremen. Mit Jürgen Holtz, Musik: Daniel Dickmers, Regie: Ulrich Gerhardt. Ursendung am 28. März 2010, 14.04 Uhr.
Leipzig. "Ohne Italien geht‘s nicht in die Kiste", das Feature von F.C. Delius über den nach Syrakus segelnden Kellner Gompitz (siehe Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus) wird am 29.10. 09 im MDR wiederholt: 22 Uhr auf „Figaro“.
Frankfurt a.M./Berlin. Kürzere Texte von FCD in einigen Neuerscheinungen dieses Frühjahrs:
" 'Für meinen ersten Verleger' - Wie es zu 'Vor den Vätern sterben die Söhne' und Thomas Braschs Ausreise kam", in: Grenzübergänge, Hrsg. Julia Franck (S. Fischer Verlag).
"Cavallo bianco", in: Die Nacht, in der die Mauer fiel (Hrsg. Renatus Deckert (Suhrkamp Verlag).
" 'Mein Name existiert nicht'. Zur Eröffnung der Alfred-Döblin-Ausstellung Berlin 1987. In: Neue Rundschau 1/2009, S. Fischer Verlag.
"Goethe, die Barbaren und das Jahr 2043". In: Sinn und Form 3/2009.
Ilse Aichinger, Die größere Hoffnung. In: Katalog der Ausstellung "Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland".
„Wilde, geschmeidige Sätze“, in: Lob der deutschen Sprache, Valerio 9/2009 , Hrsg. Hans-Martin Gauger (Wallstein Verlag)
Istanbul. Die erste Übersetzung der Erzählung "Bildnis der Mutter als junge Frau" ist erschienen: "Annenin Genc Kadin Olarak Portresi". Im Ithaki Verlag, übersetzt von Vedat Corlu.
Capua Vetere. "Il mio anno da assassino" ("Mein Jahr als Mörder") ist im Verlag Edizioni Spartaco erschienen. Übersetzung: Giovanni Giri.
Paris. Bei Fayard ist "Le Dimanche où je suis devenu champion du monde" erschienen, in der Übersetzung von Jean-Claude Capèle.
Göttingen. Friedrich Christian Delius erhält den Evangelischen Buchpreis 2009. Er wird für die Erzählung "Bildnis der Mutter als junge Frau" ausgezeichnet, die 2006 im Rowohlt Berlin Verlag erschienen ist. Der mit 5000 Euro dotierte Evangelische Buchpreis ist ein Leserpreis, dessen Auswahl ausschließlich auf Vorschlägen von Leserinnen und Lesern beruht - Begründung hier (www.eliport.de) . Er wird am 27. Mai in Neumünster verliehen.
BEISEITE GESPROCHEN
Der „Mogadischu“-Film: Hat die ARD von Delius geklaut?
1987 erschien der Roman „Mogadischu Fensterplatz“ von Friedrich Christian Delius, viel gelobt, viel gelesen und in sechs Sprachen übersetzt. Das Buch wurde mehrfach neu aufgelegt (zuletzt in „Deutscher Herbst“), in der Presse und im Fernsehen immer wieder erwähnt und noch 2007 im Staatstheater Stuttgart auf die Bühne gebracht.
Gestützt auf die Aussagen der Geiseln des entführten Lufthansa-Flugzeugs „Landshut“ hat Delius hier die erste künstlerische Version der dramatischen Ereignisse des Jahres 1977 vorgelegt - und die erste Darstellung ausschließlich aus der Sicht der Opfer. Der Roman wurde seinerzeit verschiedenen Film-Redaktionen und Drehbuchautoren angeboten - unter anderem der freien Produzentin Gabriela Sperl.
2008, am 30. November, sendete die ARD den Film „Mogadischu“ von Roland Suso Richter - ein großer „TV Event“. Das Drehbuch schrieben Maurice Philip Remy - und Gabriela Sperl.
Im Presseheft gibt es keinen Hinweis auf den Delius-Roman. Dafür behauptet der Produzent Nico Hofmann: „‘Mogadischu‘ ist die erste rein fiktionale Umsetzung der Geschehnisse um die Entführung der ‚Landshut‘ ... Entscheidend dabei war der Blickwinkel der Opfer und ihre Geschichte, die bislang bei der Betrachtung und Analyse immer zu kurz kam.“ So stand es, nur besser formuliert, in allen Kritiken des Romans.
Gewiss, beide Werke sind ohne die Aussagen der ehemaligen Geiseln nicht denkbar. Und jeder hat das Recht, diese Geschichte zu erzählen. Romanciers und Filmer mit verschiedenen Mitteln. Ein Plagiat im juristischen Sinn liegt nicht vor, aber ebenso unwahrscheinlich ist, dass der TV-Film ohne Anregungen durch den Bestseller „Mogadischu Fensterplatz“ zustande gekommen ist. Warum wird das verschwiegen?
Für den „TV-Event“ am 30. 11. ist, zum ersten Mal seit Menschengedenken, der „Tatort“ ausgefallen. Dafür gab es eine zweite Spannungsebene. Zuschauer, die Delius‘ Version gelesen, im Radio gehört, auf der Bühne gesehen haben, fragten: Wie viel hat die ARD von Delius geklaut? Und warum sagt Produzent Nico Hofmann die Unwahrheit? Und warum wurde das von der Fernsehkritik (außer in der Süddeutschen Zeitung) nachgeplappert?
„Delius‘ Roman setzt dort ein, wo die Nachrichten einst endeten. Die Phantasie und die Sprachkraft seiner Ich-Erzählerin heben die authentisch wiedergegebenen Fakten auf eine neue, die literarische Ebene. Spannend erzählt, ist ‚Mogadischu Fensterplatz‘ mehr als ein Thriller.“ (Neue Zürcher Zeitung)
Bergen-Enkheim/Frankfurt. Friedrich Christian Delius wurde neuer Stadtschreiber in Bergen-Enkheim (www.kulturgesellschaft-bergen-enkheim.de). Er ist, nach Wolfgang Koeppen, Peter Rühmkorf, Peter Bichsel, Katja Lange-Müller, Robert Gernhardt, Reinhard Jirgl und vielen anderen, der 35. Autor, dem ein Jahr lang das Stadtschreiberhaus in Bergen zur Verfügung steht.
Delius, so die Jury, gehöre zu den „interessanten Autoren, die in ihren Texten sowohl die Gegenwartsnähe als auch die Kritik dieser Gegenwart suchen. Und weil dieser Autor ein Urvertrauen in literarische Formen besitzt, prägen seinen analytischen Schreibprozess die Musikalität und Rhythmik der Sprache, gleichwohl die Suche nach neuen Ausdrucksformen als die wesentlichen Elemente seines Schreibens über die Wirklichkeit.“
Der Preis wurde am 29. August 2008 im Festzelt auf dem Berger Marktplatz verliehen. Delius brachte den Bergen-Enkheimern als Gastgeschenk den Goethe-Satz mit: "Und wer der Dichtkunst Stimme nicht vernimmt,/ Ist ein Barbar, er sei auch, wer er sei." (Hier die Rede.) Außerdem sprachen Julie Zeh und Reinhard Jirgl.
Mainz. Mit dem Joseph-Breitbach-Preis wurde 2007 Friedrich Christian Delius für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Der Preis wurde von der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur und der Joseph-Breitbach-Stiftung vergeben und ist mit 50.000 € dotiert. Die Preisverleihung fand am 21. September 2007 im Stadttheater Koblenz statt. Die Laudatio hielt Prof. Heinrich Detering (Göttingen). Bagdad und Breitbach, Capri und Clausewitz war die Rede des Preisträgers überschrieben. Eine Broschüre mit den Reden ist bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz zu beziehen.
Berlin. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hat den Platz zwischen Ulmenallee und Nußbaumallee im Westend nach Anneliese und Georg Groscurth benannt. Der Roman "Mein Jahr als Mörder" soll einen wichtigen Anstoß dafür gegeben haben, hier.
Jerusalem/Berlin. Georg Groscurth, Robert Havemann, Paul Rentsch und Herbert Richter, Mitglieder der Widerstandsgruppe "Europäische Union", sind von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem in die Liste der "Gerechten unter den Völkern" aufgenommen worden, weil sie mehrere Juden vor der Verfolgung durch die Nazis gerettet hatten (mehr und hier). Die Geschichte dieser Gruppe wird in dem Roman "Mein Jahr als Mörder" ausführlich erzählt.
Wie Yad Vashem mitteilt, ist Anneliese Groscurth ebenfalls mit dem Titel "Righteous Among the Nations" geehrt worden - "for help rendered to Jewish persons during the period of the Holocaust, at risk of her live".
Reinbek/München. Im Februar sind die Taschenbücher Bildnis der Mutter als junge Frau und Die Minute mit Paul McCartney bei rororo erschienen. Im März ist das Hörbuch herausgekommen, Die Minute mit Paul McCartney, vom Autor gesprochen, bei Antje Kunstmann. Drei auf einen Streich - aus Anlass des 65. Geburtstag des Autors.
Göttingen. Briefe (1959 - 1979) von Nicolas Born sind im Wallstein Verlag erschienen, "ein wichtiges und unverzichtbares Zeugnis zur jüngsten Literaturgeschichte, ein Zeitdokument ersten Ranges" (Süddeutsche Zeitung). Neben den Briefwechseln mit Hermann Peter Piwitt, Günter Kunert, Jürgen Theobaldy und Peter Handke ist auch der mit F. C. Delius dokumentiert.
Leipzig. Kritikerpreis für Literatur 2007 an Delius. In neun Sparten (Bildende Kunst, Theater, Musik, Film, Radio, Fernsehen, Tanz, Architektur) haben die Juries des Verbandes deutscher Kritiker die Preisträger des Jahres 2007 gewählt, den Preis für Literatur erhält Friedrich Christian Delius für "Bildnis der Mutter als junge Frau". Die Verleihung fand am 22. Mai in Berlin statt. Mehr unter www.kritikerverband.de.
Aalen. Der traditionsreiche Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen wurde 2007 an Friedrich Christian Delius verliehen. Der mit 12.000 € dotierte Preis erinnert an das freiheitliche und aufklärerische Denken des Dichters, Komponisten und Journalisten Christian Friedrich Daniel Schubart (1739 -1791). Preisträger in den vergangenen Jahren waren u.a. Henryk M. Broder, Uwe Timm, Robert Gernhardt, Alice Schwarzer, Peter Härtling. Hier die Laudatio von Irene Ferchl und die Schubart-Preis-Rede.
Reinbek. Die 14. Taschenbuchauflage des Spaziergang von Rostock nach Syrakus" ist erschienen. Damit steigt die deutschsprachige Gesamtauflage dieser Erzählung auf 121.000 Exemplare.
Berlin. Friedrich Christian Delius wurde zum Mitglied der Sektion Literatur der Akademie der Künste gewählt.
Köln. Der WDR wird die Hörspiele "Das Ultimatum" und "Die Verlängerung", die die Entführung der "Landshut" im Herbst 1977 aus der Sicht der Geiseln thematisieren, am 14. und 21. Oktober 2007 wiederholen. Siehe auch "Mogadischu Fensterplatz" und "Deutscher Herbst".
Stuttgart. Uraufführung Mogadischu Fensterplatz am Staatstheater Stuttgart. Nach dem gleichnamigen Roman von Friedrich Christian Delius erarbeiteten Beate Seidel (Dramaturgie), Regina Wenig (Regie) und Viola Weltgen (Bühne und Kostüme) ein Theaterstück vor, das am 21.9.2007 im Depot des Staatstheaters uraufgeführt wurde.
Baden-Baden. Von der Jury bestehend aus 33 Literaturkritikerinnen und Literaturkritikern wurde "Bildnis der Mutter als junge Frau" im November und Dezember 2006 auf die Bestenliste des SWF gesetzt (mehr hier).
Rom. Was Neues aus dem alten Rom? "Einst hatte ich ein Rom-Bild. Hauptstadt der Fiktionen und Legenden. Die Ewige Stadt als blühendes Schlachtfeld der Kulturgeschichte" lautet der Essay von Friedrich Christian Delius, Aufmacher im Heft Juni/ 2007 der Zeitschrift "Literaturen" zum Thema "Italienische Reise". Jetzt auch hier.
London. Am 18.6.2007 wird Paul McCartney 65. Ein Geschenk für ihn und die Fans (der Beatles, der Briten, Londons und der deutschen Sprache) liegt bereits vor: "Die Minute mit Paul McCartney".
Frankfurt. In der von Marcel Reich-Ranicki redigierten "Frankfurter Anthologie" der FAZ vom 7.4.2007 hat Hans Christoph Buch das Gedicht "Paläontologie" von 1964 aus dem ersten Delius-Gedichtband "Kerbholz" besprochen: "Frühreife Melancholie".
München. "Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde" ist vom Goethe-Institut auf die Lektüreliste 2006 für das Kleine Deutsche Sprachdiplom gesetzt worden.
Köln. Das Hörspiel nach dem Buch "Die Minute mit Paul McCartney" wird am 2. Januar 2007 um 20.05 Uhr auf WDR 5 gesendet. Regie: Christiane Ohaus. Coproduktion Radio Bremen/WDR.
Reinbek. Zehn Jahre nach ihrem Erscheinen erreicht die Erzählung "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus" die 13. Taschenbuchauflage. Damit liegt die Gesamtauflage der deutschsprachigen Ausgaben bei 109.000.
Nürnberg. Vom Publikum gefeiert, in der Kritik heftig umstritten: Uraufführung der Oper "Prospero" von Luca Lombardi (Libretto Friedrich Christian Delius und Luca Lombardi nach Shakespeares "Tempest"). "The best 'Tempest' opera ever" (Dan Albright). Näheres unter www.staatstheater-nuernberg.de.
Bremen/Köln. Radio Bremen und der WDR produzierten ein Hörspiel nach dem Buch "Die Minute mit Paul McCartney". Regie: Christiane Ohaus. Erstsendung 4. August 2006, 22.05 Uhr Radio Bremen-Nordwestradio. Der WDR wird "Die Minute mit Paul McCartney" im Januar 2007 senden.
Nürnberg. Vom Publikum gefeiert, in der Kritik heftig umstritten: Uraufführung der Oper "Prospero" von Luca Lombardi (Libretto Friedrich Christian Delius und Luca Lombardi nach Shakespeares "Tempest"). "The best 'Tempest' opera ever" (Dan Albright). Näheres unter www.staatstheater-nuernberg.de.
Florenz. Beim Verlag Le Lettere ist "La domenica che vinsi i mondiali" erschienen, die italienische Ausgabe des "Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde". Übersetzung: Monica Lumachi.
Peking. Was französische, italienische, englische und skandinavische Verlage nicht riskieren wollen, schafft die New Starr Press in Peking: Die erste Übersetzung von "Mein Jahr als Mörder". Sie soll Ende 2007 erscheinen.
Heidelberg/Ludwigshafen/Mannheim. Größtes Leseprojekt Deutschlands mit „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ beendet.
Bei der dreiwöchigen Aktion "1 Buch im Dreieck" in der Metropolregion Rhein-Neckar im März 2006 gab es in 80 Orten 550 Veranstaltungen, bei der die Erzählung "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus" von Friedrich Christian Delius im Mittelpunkt stand oder die Anregung lieferte. Zu den Lesungen, Vorträgen, Diskussionen, Theateraufführungen, Ausstellungen und Touren kamen etwa 20.000 Besucher. Knapp 3000 Zuhörer fanden den Weg zu den Lesungen des Autors, der auch seine jüngsten Bücher "Mein Jahr als Mörder" und "Die Minute mit Paul McCartney" vorstellte.
1700 Menschen wollten Klaus Müller, das reale Vorbild der Hauptfigur des "Spaziergangs", Paul Gompitz, hören und sehen.
Ein so großes Leseförderprojekt hat es in Deutschland bislang nicht gegeben, ähnliche Aktionen wurden nur in einzelnen Städten durchgeführt, nicht aber in einer ganzen Region und über die Landesgrenzen hinweg (Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz).
"Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus" war im Sommer 2005 in einer Abstimmung der Leserinnen und Leser zum Buch der Region gewählt worden.
Mehr unter www.1buchimdreieck.de
Marbach. Das Literaturmuseum der Moderne in Marbach zeigt in seiner Dauerausstellung auch einige Manuskripte und Briefe aus dem Vorlass von Friedrich Christian Delius. Zu den auffälligen Stücken gehört die "angeschmuddelte" (Greiner, Die Zeit) Tastatur des Apple-Macintosh von 1984, auf dem Delius von 1986 bis 1990 arbeitete - der kleine Ur-Apple, wohl einer der ersten von einem deutschen Schriftsteller benutzten Computer, war offenbar zu groß für die Vitrinen. Über die ebenfalls ausgestellte "Mogadischu-Kassette" schrieb Gustav Seibt am 3. 6. 2006 in der Süddeutschen Zeitung:
"Am 13. Oktober 1977 wurde die Lufthansa-Maschine 'Landshut' auf dem Weg von Palma de Mallorca nach Frankfurt von palästinensischen Terroristen entführt. Damit begann der letzte Akt des 'deutschen Herbstes', der am 6. September mit der Entführung von Hanns Martin Schleyer eingesetzt hatte. 106 Stunden später wurde die ‚Landshut‘ auf dem Flughafen von Mogadischu von deutschen Sondereinheiten gestürmt. Kurz danach exekutierten die deutschen Terroristen ihre Geisel Schleyer.
Friedrich Christian Delius, geboren 1943 in Rom und einer der produktivsten Erzähler seiner Generation, hat dem deutschen Terrorismus der siebziger Jahre eine Roman-Trilogie gewidmet, die zu einem großen Beispiel realistischer Literatur unserer Zeit wurde. Ihr Zentrum, der Roman 'Mogadischu Fensterplatz' (1987), schildert die Situation in der entführten Maschine aus der Sicht einer dreißig Jahre alten Passagierin. Anlass für ihren Bericht ist ein Fragebogen für mögliche Entschädigungsansprüche - eine Formidee, die an Ernst von Salomons Roman ‚Der Fragebogen erinnert.
Staatliches und politisches Handeln, der Kreislauf der Gewalt werden gegen die körperlich-seelische Erfahrung des Einzelnen gestellt. Genauigkeit ist das Fundament dieser hohen dokumentarischen Kunst. Unser Bild zeigt die von Delius verwendete Tonkassette mit einem Funkgespräch zwischen dem deutschen Botschafter und den Terroristen am Flughafen von Mogadischu. Die analoge Kassette hat im Zeitalter der digitalen Tonträger archäologische Qualität angenommen. Gegenwärtig bleiben die Erfahrungen mit dem Terror".
Hamburg. "Die Wahl des Harlekin (Guatemala oder Mongolei?). Europas falsche Liebe zu Italien übersieht Berlusconis brutalen Kampf um die Macht" in der ZEIT (Nr. 14, 30.3. 2006) erschienen. Englische Version bei www.signandsight.com
Nürnberg. Am Staatstheater Nürnberg wird Luca Lombardis Oper "Prospero" (Libretto Friedrich Christian Delius und Luca Lombardi, nach Shakespeares „Tempest“) einstudiert. Die Uraufführung ist für den 15. April 2006 geplant. Inszenierung Andrea Raabe, musikalische Leitung Johannes Fritzsch. Siehe Staatstheater Nürnberg.
Rom. Fünfundzwanzig Schriftsteller aus allen Staaten der erweiterten Europäischen Union trafen sich vom 23. bis 26. Februar 2005 in Rom: TransEuropaExpress. Gli scrittori della nuova Europa. Teilnehmer waren u.a. Dacia Maraini (Italien), Colm Toibin (Irland), Robert Schindel (Österreich), Jean Rouaud (Frankreich), Emil Tode (Estland) Rosa Montero (Spanien), Stefan Chwin (Polen), Jörn Donner (Finnland), Jean-Philippe Toussaint (Belgien) - und Emine Sevgi Özdamar als Gast (Türkei).
Friedrich Christian Delius hielt am 23.2. einen der Eröffnungsvorträge in der Sala Cortona des Kapitolinischen Museums: La ricchezza d`Europa - Der Reichtum Europas., abgedruckt in der Tageszeitung "Il manifesto" am 24.2.05
Neuruppin. Fontane-Preis 2004. Friedrich Christian Delius wurde am 30.12.2004 mit dem von der Stadt Neuruppin und der Theodor-Fontane-Gesellschaft vergebenen Fontane-Preis ausgezeichnet (hier die Rede: "Ich komme preußischer zurück denn je"). Der Preis gilt dem Gesamtwerk des Autors, dessen jüngster Roman "Mein Jahr als Mörder" im September 2004 bei Rowohlt.Berlin erschienen ist. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen "Die Birnen von Ribbeck", "Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde" und "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus". Der Preis ist mit 5.000,-- Euro dotiert und wird nur alle fünf Jahre verliehen. Frühere Preisträger waren Sigrid Damm und Günter de Bruyn.
Berlin. Aus Anlass des 100. Geburtstages von Georg Groscurth am 27.12.2004 ist im Berliner "Tagesspiegel" ein Artikel über die Familie Groscurth ("Die Mordgedanken eines Friedfertigen") und ein Interview mit Friedrich Christian Delius ("Ich bin eigentlich ein 66er") erschienen.
Viterbo. Friedrich Christian Delius hält am 24.11.04 den Eröffnungsvortrag
der Tagung "La letteratura necessaria/Die notwendige Literatur" an der
Universität von Viterbo: "Die Literatur ist die Zukunft/La letteratura è il futuro".
Berlin. Die Ärztekammer Berlin, die Kassenärztliche Vereinigung Berlin, das
Behandlungszentrum für Folteropfer und die Dorotheenstädtische Buchhandlung laden zu einer Lesung aus "Mein Jahr als Mörder" am 15. November 2004 ein - in den Hörsaal des Krankenhauses Moabit. Dort hatte Dr. Georg Groscurth bis zu seiner Verhaftung als Mitglied der Widerstandsgruppe "Europäische Union" im September 1943 gelehrt.
Dr. Groscurth und seine Witwe Dr. Anneliese Groscurth sind die Hauptfiguren des Romans "Mein Jahr als Mörder". Turmstraße 21, 10559 Berlin, 20 Uhr.
Uni Kassel vergibt ihre Grimm-Gastprofessur an F.C. Delius.
Am 3. November 2004 wird Delius in der Murhardschen Bibliothek in Kassel eine Vorlesung halten unter dem Titel "Deutschland, ein Schlaraffenland - oder warum Friedrich Schiller Joschka Fischer einen Barbaren genannt hätte". Außerdem wird er ein Seminar und eine Lesung aus dem Roman "Mein Jahr als Mörder" anbieten.
Aachen, 11. September 2004. Der Berliner Schriftsteller Friedrich Christian Delius hat den Walter-Hasenclever-Preis 2004 erhalten. Der von der Walter-Hasenclever-Gesellschaft und der Stadt Aachen vergebene und mit 20 000 Euro dotierte Preis wurde Delius für sein Gesamtwerk verliehen. Die Laudatio hielt Katja Lange-Müller, der Preisträger bedankte sich mit einer Rede "Ausgerechnet am 11. September". Frühere Preisträger waren Peter Rühmkorf, Oskar Pastior und Marlene Streeruwitz.